Zoiglkultur gehört zum immateriellen Kulturerbe Bayerns

Mit einem Pfiff quittiert Reinhard Fütterer die Nachricht von der Aufnahme der Zoiglkultur ins immaterielle Kulturerbe Bayerns. „Ich bin begeistert“, sagt der Schafferhofwirt.

Von einer Auszeichnung für ein Alleinstellungsmerkmal der nördlichen Oberpfalzspricht der Vorsitzende der Schutzgemeinschaft „Echter Zoigl vom Kommunbrauer“. Darin vereinigt sind Kommunbrauer aus Windischeschenbach, Neuhaus, Falkenberg, Mitterteich und Eslarn. Es sei ein weiterer Schritt, der sicherstelle, dass der Zoigl hier und nicht in Oberbayern oder Franken beheimatet sei.

„Wenn auch in München erkannt wird, dass es in der Nordoberpfalz etwas Ungewöhnliches gibt, das sich über Jahrhunderte voller Höhen und Tiefen erhalten hat, ist das etwas besonderes“, kommentiert der inoffizielle Zoiglbotschafter und de facto Pressesprecher der Schutzgemeinschaft, Norbert Neugirg, frotzelnd die Entscheidung aus dem Kultusministerium von Ludwig Spaenle. „Das ist schon mal ein Anfang“, ist er sich mit Fütterer einig. Neugirg spricht von einem Zwischenschritt. „Wir streben an, auf die Deutschland-Liste zu kommen.“ Die sei letztendlich entscheidend, um eine Chance zu haben bei der Unesco berücksichtigt zu werden.

Unter den vier immateriellen Kulturgütern, die Bayern den Entscheidern in Berlin vorschlägt, ist keine Zoiglkultur zu finden. Da stehen das Augsburger Friedensfest, die Weihnachtsschützen im Berchtesgadener Land, der Erhalt der Jurahäuser – traditionelle Baukultur im Altmühljura – sowie bäuerliche Gemeinschaftswälder im Steigerwald.

Um doch noch zum Zug zu kommen, gibt es Signale, sich mit der Schwalenberger Brauzunft zusammenzutun. Die Nordrhein-Westfalen sind zumindest in Neuhaus keine Unbekannten. Bei den Haus- und Hobbybrauertagen 2012 waren Brauer aus dem Weserbergland zu Gast. Für die Bewerbung werde man wieder Kontakt aufnehmen. „Wir müssen ausloten, was sie beantragt haben, wo es eventuell Gemeinsamkeiten gibt“, kündigt Neugirg an. Er hofft darauf, dass das Team von der Uni Regensburg, das bei der bayerischen Bewerbung geholfen hat, auch wieder mit am Tisch sitzt. Der Anstoß, sich überhaupt zu bewerben, war von Bezirksheimatpfleger Tobias Appl ausgegangen.

„Ich sehe es schon kritisch, wenn durch den Erfolg des Zoigls die Touristenströme schnell zu große Auswüchse annehmen.“ Für Neugirg erwächst aus der Auszeichnung deshalb auch eine Verpflichtung. „Solange sich die Brauer nicht verbiegen und keine Komödienstadelaufführungen hinlegen, ist das okay.“ Veränderungen müssten langsam, von Herzlichkeit geprägt und ohne Kommerz vor sich gehen, und der Zoigl müsse authentisch bleiben. „Wenn der Tourist eine zweite Biersorte fordert, gibt es die nicht. Bei uns gibt es den Zoigl, und fertig.“

Gleichwohl achten die Zoiglbrauer die Initiativen der übrigen auch jungen Bierbrauer in der Region. „Sie setzen sich mit dem Brauen innovativ auseinander und hauchen ihm neuen Ideen ein. Aber wir sind auch überzeugt vom Zoigl der brauenden Bürger.“ Deren Spektrum reicht vom Hausbraurecht über ruhende Rechte bis hin zu aktiven Brauern, die auch ausschenken. Der Zoigl sei sehr einfach gehalten. „Das wahrhaft Große liegt im Einfachen“, philosophiert Neugirg. Beim Bier seien die Orte autark. „Das ist etwas wert.“

Die Zoiglkultur ist nach seiner Meinung eine Gegenströmung zum Gasthaussterben. „Kleine Gespräche in der Küche, im Gang, am Wirtshaustisch sind der Klebstoff, der die Gesellschaft zusammenhält.“ Ihr Untergang sei es, wenn jeder alleine zu Hause vor Tablet oder Fernseher sitze und sich das Essen von der Drohne kommen lasse. „Wenn man diskutiert und redet, entstehen Ideen und daraus Fortschritt auch in belanglosen Gesprächen. Da gibt eins das andere, mit dem Reden kommen die Leute zusammen“, beschreibt der Altneihauser Feierwehrchef die Essenz der Zoiglkultur.

 

Norbert Neugirg

Norbert Neugirg

Kleine Gespräche in der Küche, im Gang, am Wirtshaustisch sind der Klebstoff, der die Gesellschaft zusammenhält. „Zitat: Norbert Neugirg“

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