Historisches aus dem Zoiglort „Neuhaus“

Neuhauser Kommunbrauwesen

Neuhaus hat das Kommunbraurecht im Jahre 1415 bekommen. Eine Urkunde hierzu gibt es leider nicht. Das Privileg des Brauens resultierte aus der Markterhebung vom 13.12.1415 durch den Land-grafen Johann IV. von Leuchtenberg, der den Neuhausern dieselben Freiheiten zusprach, wie der Stadt Pleystein.
Die Felsenkeller in Neuhaus entstanden wohl zur selben Zeit – nur um des guten Bieres Willen. Das erste Brauhaus mit Malztenne stand in der Burgstraße 7, auf dem Anwesen des Ruppert Beer.
1876 wurde dann in der Wurzer Straße das jetzige Brauhaus mit Malztenne, zu einem Preis von 14000,- DM (ca. 7000,- €) gebaut.
Vom großen Brand am 18.07.1887 blieb das Neuhauser Kommunbrauhaus verschont.
Nach dem Einbau einer neuen Sudpfanne und eines Maischbottichs wurde das generalüberholte Brauhaus 1993 wieder eingeweiht. 2003 erfolgte noch der Austausch des alten Kühlschiffes und 2004 die Sanierung des Kamins.

  • 2005 wurde das Brauhaus an die Kanalisation angeschlossen sowie eine Toilette eingebaut.
  • 2006 wurde der alte Boiler ausgetauscht sowie das Bräustüberl erneuert.

Zoigl ist Kommunbraubier
und trinkt’s der Mann, wird er zum Stier
Bei der Frau wirkt es erst dann,
wenn der Mann schon nicht mehr kann.

Norbert Neugirg, Mai 2004

Die letzte “Bräu“

In der Karwoche, am 06.04.1941 braute Johann Hammer (geb.: 12.04.1877), Braumeister vom Kommunbrauhaus Neuhaus, seinen letzten Sud. Danach wollte er aufhören und sich den Zoigl schmecken lassen. Es sollte tatsächlich seine letzte Bräu werden, aber nicht, wie er sich es vorgestellt hat. Es kam alles ganz anders.
Ein Frühlingssturm mit heftigen Regenfällen zog über Neuhaus hinweg. Vermutlich um 4.00 Uhr morgens, steht Johann Hammer auf, um im Brauhaus anzuheizen. Denkt sich vielleicht noch: „S´letzte mal, dass ich bei einem solchem Sauwetter und zu so einer unchristlichen Zeit aufstehe“. Ein gewisser Reber (Burgstr. 1-heute “Gasthof zum Heimgarten“) braut an diesem Tag. Ein Braugehilfe vom Bühl sollte ihm aushelfen. Ausgemacht war um 6.30 Uhr. Aber es kam keiner, alle haben verschlafen. So nahm das Schicksal seinen Lauf. Bedingt durch den heftigen Sturm kam der Regen fast waagrecht von den Fenstern herein. Damit sich die Würze nicht mit Regenwasser, Blättern usw. vermischt, wollte der Braumeister die Fensterläden schließen. Zur damaligen Zeit war es üblich, dass die Männer zum Arbeiten eine blaue Schürze trugen. Sie sollte ihm zum Verhängnis werden. Als er sich zum Fenster, über die Transmission (Keilriemenantrieb) bückte, flatterte seine Schürze im Wind und verfing sich unglücklicherweise im Keilriemen. Sofort wurde er mit hineingedreht und mit herumgeschleudert, und zwar solange bis er mit dem Oberkörper stecken blieb und die Sicherung flog.
Als der Helfer nun verspätet kam, wunderte er sich noch, warum man nichts hörte und es finster war. Auch auf sein Rufen antwortete niemand. Als man ihn schließlich fand, war es ca. 7.00 Uhr. Trotz seiner tödlichen Verletzungen war er bei Bewusstsein und ließ nach einem anderen Braumeister (Barbarahof) rufen. Ihm sagte er noch, was er schon getan hat und was noch zu tun sei, damit es ein gutes Bier wird. Der Sud wurde fertig gebraut. Tags darauf, am 07.04.1941 erlag Johann Hammer seinen schweren Verletzungen in seinem Bett.

Die Geschichte ist authentisch. Zur Recherche wurden noch lebende Zeitzeugen (Hans Franz sen., Anneliese Hammer) befragt

Gez. Reinhard Fütterer

Geschichten zum Zoigl

Bis Ende der 50er Jahre hat in Neuhaus so gut wie jeder Brauberechtigte sein Bier öffentlich ausgeschenkt. Für die Schanktage wurde ein Teil des Wohnhauses behelfsmäßig zu einer Art Wirtsstube umfunktioniert.
Dazu musste in der „goudn Stubm“ (Wohnzimmer) und in der Küche die Alltagseinrichtung teilweise weichen. Es wurden Stühle und Tische hinein gestellt und die Gäste saßen dort, wo sonst gewohnt oder gekocht wurde.

1966 beim schoilmichl - reine Maennerdomaene
Tatsächlich wurden oft die Tische, Stühle und Bänke unter den Zoiglwirten getauscht – so u. a. zwischen Faber und Schoilmichl.
Jeder Brauberechtigte braute in der Regel ein halbes Bräu (ca. 11 hl). Die Hälfte davon wurde zu den besagten Schanktagen an die Gäste ausgeschenkt, die andere Hälfte wurde für die Erntezeit und den eigenen Durst aufbewahrt.
Der Mangel früherer Jahre ließ ab und an das Bier nicht so gut geraten. Kam es gar so weit, dass das Bier sauer war, gab man etwas Natronlauge hinein und siehe da, aus dem saueren Gebräu wurde wieder etwas Trinkbares, gemeinhin „gutes Bier“ genannt. Natron (alkalisch) hatte früher jeder daheim. Es hat sehr viele vorteilhafte Eigenschaften, die das tägliche Leben erleichterten und wurde u. a. zum Schlachten, Brezen backen oder als Abflussreiniger verwendet. Eine richtige Allzweckwaffe!

Es ist nicht überliefert, ob jemand dieser Waffe zum Opfer gefallen ist oder wegen Natronaufnahme ernsthaft zu Schaden kam. Wenn dem so gewesen wäre, dann hätten die Brauer im Interesse des guten Rufes ihres Bieres, die verhängnisvolle Lage mit Sicherheit „totgeschwiegen“.

Wenn die Kinder Bier holten, wurde natürlich immer ein kräftiger Zug aus dem Krug genommen und am „Raeherkasten“ (eingefasster Brunnen am Marktplatz) mit Wasser wieder aufgefüllt.

(Gespräch von Reinhard Fütterer mit´n Käck´n Ernst (Ernst Schönberger) im Brauhaus am 01.06.2010)

 

Der Kommunbrauer

Er kennt sich bestens aus mit Bieren,
die zu Resultaten führen
und Aromen und Geruch entfalten,
die Menschen für nicht möglich halten.

Norbert Neugirg 29.09.2012

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